H.E. Herbst GmbH & Co.

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Geschichte

Die Familie

Die Familie Herbst-Brasse betreibt in diesem Monat seit 190 Jahren einen Speditionsbetrieb in Detmold. Das Geschäft wird in der sechsten Generation geführt und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

1819 zahlt Johann Berend Herbst aus dem südostlippischen Elbrinxen für sich, seine Ehefrau und zwei Kinder Bürgergeld an die Stadt Detmold. Bald darauf wird Herbst in den Quellen als Fuhrmann bezeichnet; er verdingte sich daneben als Tagelöhner. Am 9. April 1821 ließ Herbst sich u.a. ein Pflugeisen machen und eine Egge beschlagen. Mit seinem Pferd transportierteer 1822/23 mehrere Fuder Material für den Magistrat der Stadt Detmold. Aussagekräftig ist eine undatierte Rechnung, wonach der Fuhrmann für „Herrn Nieder-Meier" sowohl vier Fuder Kartoffeln gefahren als auch „das Kartoff[el]stückgepflügt" hatte. Von den Aufträgen, die er als Fuhrmann bekam, konnte Herbst offenbar nicht existieren.

Die Arbeit war schwer, und so verwundert es nicht, dass Johann Berend Herbst erst 39-jährig am 4. August 1827 in Detmold verstirbt. Fortan führte seine Witwe Sophie, geborene Weeken aus Horn, das Geschäft.

Als im Sommer 1831 ein neues Pferd angekauft werden musste und andere dringende Ausgaben anstanden, blieb ihr keine Möglichkeit, als sich das notwendige Kapital in Höhe von 50 Reichstalern zu leihen. Witwe Herbst bürgte mit ihrem Vermögen und unterschrieb die entsprechende Erklärung mit drei Kreuzen; offenkundig war sie des Schreibens nicht mächtig. Es dauerte neun Jahre, bis beim Detmolder Magistrat die Hypothek gelöscht werden konnte. Nicht auszudenken, wenn dem kostbaren Tier zuvor etwas zugestoßen wäre!

Die Seniorchefin (sie starb hochbetagt erst 1866) wird erleichtert gewesen sein, als ihr Sohn Hermann Adolph im November 1851 die aus Blomberg stammende Wilhelmine Dorothee Charlotte Pohl heiratete. Sie war fast zwei Jahrzehnte jünger als er, überlebte den 1877 verstorbenen allerdings nur um sieben Jahre. Während seiner „langen, schweren Leiden", wie es in der Todesanzeige heißt, wird zumindest ein Teil der Arbeitslast für das Geschäft auf ihr geruht haben.

Erst nach ihrem Tod heiratete Sohn Hermann Friedrich August. Die 1886 geschlossene Ehe mit Louise Auguste Emilie Ostmann aus Greste endete bereits zwei Jahre später mit dem frühen Tod des Ehemannes. Daraufhin heiratete Louise Herbst 1893 ihren Schwager Ernst Friedrich Hermann, mit dem sie vier Kinder hatte und der das Unternehmen bis 1919 leitete. Sohn Ernst übernahm 21-jährig das Geschäft. Als sein Vater 1922 starb, lastete auch alle Verantwortung für seine Geschwister auf ihm. Drei Brüder aus der zweiten Ehe des Vaters waren noch unmündig. Bruder Wilhelm musste beschäftigt werden, da er nach seiner landwirtschaftlichen Lehre keine Arbeit bekam.

Ernst Herbst heiratete 1930 Emma Nagel, eine Müllerstochter aus Hohenhausen. Die junge Frau arbeitete von Anfang an in der Firma mit, übernahm insbesondere die Korrespondenz und den Telefondienst. Daneben kümmerte sie sich um die bald vierköpfige Familie sowie die im Hause lebenden Angestellten. Einen Schicksalsschlag bedeutete der frühe Tod ihres Mannes, der im Juli 1945 an Herzversagen starb. Nun stand Emma Herbst allein da, zumal der mithelfende Schwager Wilhelm krank wurde. Zwei Halbbrüder ihres Mannes kehrten aus dem Krieg zurück und wurden ebenfalls beschäftigt. Verständlich, dass eine solche Konstellation für die Witwe nicht ganz einfach war.

Ab 1958 erhielt Emma Herbst Unterstützung durch ihre Tochter Ilse und ihren Schwiegersohn Martin Brasse, die das Geschäft später ganz übernahmen. Auch sie konnten sich auf die nachfolgende Generation verlassen; zunächst arbeitete ihr Sohn Johannesacht Jahre lang im Unternehmen mit, ehe er sich in Süddeutschland selbstständig machte. Heute führt Sohn Martin das Unternehmen, gemeinsam mit Claus Lange, der seit 1980 der Firma angehört.

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Stationen in der Residenzstadt

Das einzig Beständige ist der Wandel. Diese Weisheit gilt auch für die Stationen der Firma H.E. Herbst innerhalb der Stadt Detmold. Bereits am 23. März 1816 ließ Johann Berend Herbst zwei Fuder Steine vom Papenberg abfahren. Wenige Tage zuvor hatten er und seine Ehefrau 100 Reichstaler vom Amtspedell Voigt geliehen. Die Summe wollten sie zu erforderlichen Reparaturen an unserm Wohnhause, wie auch zu Anschaffung eines Pferdes und nötigen Ackergerätschaften verwenden". Bei dem genannten Wohnhaus handelte sich um das 1816 erworbene Gebäude Bruchstraße 17, das später in den Besitz eines Seitenzweiges der Familie Herbst überging und 1893 einem Neubau wich. Die Bauarbeiten zogen sich offenbar über Jahre hin, denn noch 1820 heißt es: „Fuhrmann Herbst all hier hat von den Strafwerkhausleuten arbeiten lassen 8 Mann 1 Tag".

Es war wohl vor allem das Erbe aus der Familie seiner Ehefrau, das Hermann Adolph Herbst 1852 in die Lage versetzte, das Gebäude Unter der Wehme 5 anzukaufen, in dem 1810 der Dichter Ferdinand Freiligrath das Licht der Welt erblickt hatte und das fortan für mehr als 125 Jahre Firmensitz war (siehe das Titelbild dieses Heftes). Daneben wurde es früher von zahlreichen Mietern bewohnt. So offeriert Hermann Adolph Herbst im März 1867 „eine freundliche Wohnung, bestehend aus 4 heizbaren Stuben, 2 Kammern, Küche, Keller und Bodenraum". Nur wenig später, im Jahr der Reichsgründung von 1871, bewohnen das Haus außer Hermann Adolph Herbst und seiner kinderreichen Familie der Hofmusikus August Döhmel, die Zigarrenmacher Christian Due und Robert Weder sowie die Witwen Schneeberg, Tölke und Werder – also eine ungeheure Fülle von Personen für ein Haus mit Geschäftsbetrieb!

Es ist erstaunlich, dass Wilhelmine Dorothee Charlotte Herbst im Todesjahr ihres Mannes (1877) umfangreiche Renovierungsarbeiten am Wohn- und Geschäftshaus vornehmen ließ; außerdem wurde zeitgleich ein Pferde- und Kuhstall errichtet, der auch über ein Obergeschoss mit Kammern verfügte. Eine weitere Sanierung ist für das Jahr 1898 belegt. Damals wurde u.a. eine zweigeschossige Toilettenanlage mit Wasserspülung angebaut, was ungemein fortschrittlich war.

Nachdem Ernst Friedrich Hermann Herbst sich bereits 1907ein Durchfahrtsrecht über das Grundstück Unter der Wehme 7 gesichert hatte-parallel wurde im Garten ein Holzschuppen errichtet-, erwarb er 13 Jahre später Haus und Grundstück Krumme Str. 29. Es bestand eine schmale Verbindung zwischen beiden Liegenschaften, die für Mensch und Tier ausreichte. Ein 1899 ebenfalls im Garten erbauter Stall, der neben Unterstellmöglichkeiten für Pferde auch je einen kleinen Ziegen- und Schweinestall enthielt, diente später als Möbellager. 1933 schließlich trat an die Stelle des Hauses an der Krummen Straße eine Wagen-Remise.

Es ist erstaunlich, mit welcher Geschicklichkeit die ständige Erweiterung von Grundstück und Gebäuden erfolgte. Wohl nur genügsamen Lippern war es möglich, sich so lange auf engem Raum einzurichten und zu behelfen. Verständlicherweise wurde zugegriffen, als sich in den 1930er Jahren die Gelegenheit bot, ein Grundstück in Bahnhofsnähe an der heutigen Industriestraße zu erwerben, das zunächst als Wagenstandplatz diente und auf dem nach dem Zweiten Weltkrieg ein eingeschossiges Lagergebäude mit Rampe errichtet wurde.

Als auch der hier zur Verfügung stehende Platz nicht mehr ausreichte, entschloss sich die Geschäftsleitung im Jahre 1968 zum Ankauf eines Grundstückes im Gewerbegebiet Klingenbergstraße. Hier wurde zunächst ein Möbellager gebaut, im Jahre 1992 folgte ein hochmodernes Containerlager. Bereits 1980 war die Verwaltung vom Stammhaus Unter der Wehme an die Klingenbergstraße gezogen.

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Was wie transportiert wurde

Die Entwicklung der Transportmittel sowie der beförderten Gegenstände durch fast 200 Jahre ist auch ein Spiegelbild der Geschichte von Menschen, ihren Lebensgewohnheiten, Erfolgen und Nöten.

Mit seinem Pferd beförderte Johann Berend Herbst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ganz unterschiedliche Waren: Die Palette reicht von Leinen und Getreide über Sand und Steine bis hin zu Mistfudern. Auch von „Schutt", der aus der Stadt abtransportiert werden musste, ist häufig die Rede. Hierbei wird es sich um den Schmutz und Unrat ge-handelt haben, dessen Existenz auf den Straßen der Detmolder Altstadt in den Quellen beklagt wird.

Als sein Sohn, der Lohnkutscher Hermann Adolph Herbst-er besaß inzwischen mindestens zwei Pferde -, sowie seine Kollegen Steinmeier und Schäfermeier im Herbst 1847 tägliche ,,Omnibus-Fahrt[en] zwischen Detmold und Bielefeld" anboten, untersagte ihnen die Fürstlich Lippische Polizei-Commission die Ausführung „bis zu erlangter Regierungs-Concession bei namhafter Strafe". Offenbar hatten findige Unternehmer bereits im Vormärz mit bürokratischen Hemmnissen zu kämpfen.

Die Personenbeförderung gewann gleichwohl zunehmend an Bedeutung: Ein gutes Geschäft brachten die Feierlichkeiten zur Einweihung des Hermannsdenkmals im August 1875 mit sich. Wohl angesichts der günstigen Einnahmesituation wurde im Oktober 1875 von der Detmolder Wagenfabrik H. C. Marx ein „Wagen - berliner I Classe Droschk[e] Landauer zum 2spännig fahren eingerichtet", was die stolze Summe von 335 Talern kostete. In der Rechnung wird Herbst als Fuhrwerksbesitzer bezeichnet, zwei Jahre darauf als „Hauderer", was nichts anderes bedeutet als Fuhrmann („Hauderei, namentlich in Westfalen und am Rhein gebräuchlicher Ausdruck für Fuhrwesen; Hauderer, soviel wie Fuhrmann", Brockhaus von 1908). Erstmals findet sich die Bezeichnung „Hauderer" in einer Rechnung für häufige Reparaturen am Landauer.

Auch Möbel wurden bereits transportiert, der dazu notwendige „kleine Möbelwagen" konnte allerdings in der „Möbel-, Spiegel- & Polsterwaren-Fabrik" von Carl Beneke angeliehen werden; die Anschaffung eines eigenen Spezialfahrzeugs lohnte sich noch nicht.

Im Juli 1895 erhöhte Ernst Herbst die bestehende Feuerversicherungspolice beträchtlich, „da sich meine Haushaltung bzw. mein Fuhrwerksbetrieb in den letzten Jahren wesentlich vergrößert hat". Für Schlitten wurden zusätzlich 300 Mark, für Pferde weitere 900 Mark für Kutschwagen sogar 1.300 Mark sowie für Pferdegeschirre 250 Mark in Anschlag gebracht. Hier wird ein ungeheurer Investitionsschub deutlich, der wiederum nur durch die verantwortungsbewusste Verwendung einer Erbschaft möglich geworden war.

Ein „Vermögens-Nachweis des Hauderers Ernst Herbst in Detmold" vom 29. März 1909 ermöglicht einen interessanten Einblick in den Fuhrpark: Neben einer „Halbchaise m[it] Deichsel, Laternen und allen Zubehör[en]" werden vier Landauer genannt - der größte war sechssitzig - sowie zwei „Breaks" (einer zehn-, einer sechssitzig), drei Schlitten, je ein Möbel- bzw. Rollwagen und fünf Ackerwagen. Hinzu kamen ein Handwagen, zwei Karren, sowie zwei Blockschlitten.

Der Brockhaus von 1908 erläutert einige heute nicht mehr gebräuchliche Begriffe: „Chaise (frz., spr. schähs') [...] Auch bezeichnet C. (in dieser Bedeutung im Französischen veraltet) einen leichten Wagen"; „Landauer, viersitziger Wagen, dessen Verdeck vor- und rückwärts auseinander geschlagen werden kann; der Name soll daher kommen, daß Kaiser Joseph I. 1702 in einem solchen Wagen zur Belagerung von Landau reiste"; „Break (engl., spr. Brehk), offener länglicher Kutschwagen mit hohem Kutscherbock und Längs- oder Querbänken."

Kurz zuvor hatte die Firma Herbst eine besonders wertvolle Last von der Detmolder Marktkirche zum Mausoleum am Büchenberg verbracht: Acht Särge - darunter der Fürstin Paulines-wurden „an einem schwülen Augustabend des Jahres 1908 auf einem Bollerwagen" transportiert (Hermann Noltensmeier); gemeint ist wohl der von einem Pferd gezogene Rollwagen.

In den wirtschaftlich schweren 1920er Jahren realisierte Ernst Herbst, dass er an der Motorisierung seines Fuhrparks nicht vorbei kam. Mit Erwerb seines Führerscheines im Jahre 1925 hielt die erste Taxe Einzug. Die Personenbeförderung war bis 1950 ein Standbein der Firma. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte es zwei Taxen gegeben, von denen eine bald darauf stillgelegt wurde. Die andere, ein „Opel Olympia", erhielt Benzin nur für Krankenfahrten sowie Touren zum Entbindungsheim zugeteilt; hierfür stand Ernst Herbst Tag und Nacht zur Verfügung.

Die Fahrerlaubnis des Spediteurs wurde 1938 erweitert. Dies war notwendig, da ein Automöbelwagen angeschafft worden war. Zuvor hatte man die Möbelwagen noch von Pferden ziehen lassen. Bei Ferntransporten wurden spezielle Bahnmöbelwagen per Zug transportiert und am Zielort von einem dortigen Kollegen übernommen.

Nach wie vor - und sogar bis etwa 1950-spielten die Pferde als Antriebsmittel eine wichtige Rolle. Vier schwere „Belgier" standen im Stall, von denen zwei bei einem Tieffliegerbeschuss in Heidenoldendorf umkamen. Einen schweren Verlust bedeutete auch die Zerstörung eines gummibereiften Möbelwagenanhängers in Heiden sowie eines Bahnmöbelwagens in Dresden.

Nach Kriegsende kam es zu einer Beschlagnahme: Am 8. Dezember 1945 musste der stillgelegte PKW der Marke Mercedes-Benz offiziell an die Militärregierung in Münster abgegeben werden. Im Gegenzug wurde der Fuhrpark in der Folgezeit erheblich aufgestockt. Dabei musste improvisiert werden. Zunächst fehlte es an Treibstoff, so dass an-fangs ein Holzkocher zum Einsatz kam, erst später wurde wieder auf Diesel umgerüstet. Eine dringend benötigte Einspritzpumpe war nur im Tausch gegen ein Wohnzimmer zu bekommen, das bei einer Detmolder Möbelfabrik beschafft worden war. Überhaupt wurde getauscht, was eben möglich war.

Als vorteilhaft erwies sich auch die Zuteilung des Transportes von Molkereiprodukten, denn etwas Molke fiel immer ab, aus der Emma Herbst selbst Käse herstellte. Die Fuhren gingen bis zu den heute nicht mehr existierenden Molkereien Wellentrup/Blomberg, Farmbeck/Dörentrup und Fütig/Extertal.

Nach der Währungsreform vom Juni 1948 wurde die erste Deutsche Mark mit der Gestellung einer Hochzeitskutsche verdient. Was folgte, war das Wirtschaftswunder, von dem auch die Firma H. E. Herbst profitierte. So besaß das Unternehmen, als Ilse und Martin Brasse 1958 ihre Tätigkeit in Detmold aufnahmen, drei Automöbelwagen. Allerdings hatte sich das Geschäft mehr und mehr auf Möbeltransporte konzentriert, die immer noch Kernaufgabe der Firma H. E. Herbst sind.

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Ein interessanter Arbeitgeber

Die Anfänge des Unternehmens waren bekanntlich bescheiden. An die Beschäftigung von Personal war natürlich nicht zu denken. Irgendwann gab es aber doch so viele Aufträge zu erledigen, dass die Familie Herbst Einstellungen vornehmen konnte.

In alter Zeit war es üblich, dass die Bediensteten - zumindest zum Teil - mit im Haus lebten. Ein Verzeichnis von 1909 nennt ausdrücklich die Kutscherstube und die Kutscherkammer, in der zwei Betten standen. In diesen schliefen z.B. 1912 die im Detmolder Adressbuch genannten Kutscher Niewald und Dreimann. Während Simon Niewald auch 1928 noch als Kutscherfirmiert, führt sein Kollege Wilhelm Haumersen die Bezeichnung Kraftfahrer. Sechs Jahre später wohnt ein „Chauffeur" im Haus Unter der Wehme. Und 1938 sind es neben Kutscher Fritz Stuckenbrock sogar zwei Kraftfahrer, die hier ihren Wohnsitz haben-ein Indiz für die zunehmende Motorisierung. Die Bedeutung der Transporttätigkeit ist an der Tatsache ablesbar, dass neben Ernst Herbst vier Männer auch zu Kriegszeiten in der Spedition dauerhaft beschäftigt waren.

Noch 1956 ist die Wohnung immerhin eines Kraftfahrers belegt. Doch die Mehrzahl der Beschäftigten hatte natürlich längst eigene Domizile.

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Ein Dienstleister für mancherlei Kunden

Ein erhalten gebliebenes Verzeichnisaus der Zeit um 1850 nennt als Kunden wichtige Vertreter der Detmolder Bürgerschaft, die in Staat und Kirche ihre Rolle spielten: z.B. Generalsuperintendent Althaus, Kammerrat Stein, Regierungsrat Piderit, Baurat Brune, Kanzleirat Althof und Oberforstmeister Wrenger. Aufgeführt sind aber auch Meister, Tagelöhner und Witwen. An die hochgestellte Kundschaft wurden die Fahrzeuge nebst Kutscher häufig auch für mehrere Tage vermietet, wenn Dienstreisen z.B. des Generalsuperintendenten in entlegenere Winkel des Fürstentums anstanden.

Machen wir einen Zeitsprung von 100 Jahren: Ein Schreiben der Firma Herbst an den Detmolder Regierungspräsidenten vom 30. März 1950 wirft nicht nur ein bezeichnendes Schlaglicht auf die schwierigen Zeitumstände, sondern auch auf den damaligen Kundenkreis. Hier heißt es, „dass wir des öfteren Fernumzüge für Pfarrer, Lehrer, Forstbeamte, landwirtschaftliche Pächter usw. durchführen, die neben dem Mobiliar auch Vorräte und Inventar (wie Holz, Pflanzen, Ackergeräte, Haustiere usw.) mitnehmen".

Die Detmolder Spedition Herbst gehört zu den Gründungsmitgliedern der „Deutschen Möbelspedition (DMS)“ der es insbesondere um einen Laderaumausgleich geht. In diesen Verbund wurden und werden selbstverständlich nur Betriebe mit ausgezeichnetem Ruf aufgenommen. Übrigens gehörte in jüngerer Zeit auch der heutige stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm, zu den Kunden der Firma H. E. Herbst.

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Ohne Werbung ging es nie

Auf die Werbung für ihr Unternehmen verstanden sich die Vertreter der Familie Herbst stets sehr gut. Bereits 1891 wurde damit geworben, der Firmensitz befinde sich in „Freiligraths Geburtshaus" - der Dichter war übrigens gerade einmal 15 Jahre tot! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte nicht ohne Stolz mitgeteilt werden, „Ältestes Fuhrgeschäft am Platze" zu sein.

Natürlich wurde auch der Fuhrpark in leuchtenden Farben geschildert. Die Landauer, Breaks und Halbchaisen waren selbstverständlich elegant und bequem. In Kombination mit einem französischen Fachbegriff ist dann von „Elegante[n] Equipagen" die Rede. Vor einem Jahrhundert war es noch selten, über ein Telefon zu verfügen. Man kann diese besondere Eigenschaft neben den praktischen Vorteilen durchaus auch als eine Werbemaßnahme werten - war die Firma Herbst auf diese Weise doch schneller und leichter erreichbar als andere.

In den Anfängen der modernen Kommunikation war dem Haus Unter der Wehme zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Telefonnummer 96 zugeordnet, doch bereits 1916 erreichten die Kunden den „Fuhrwerksunternehmer" unter der 302. Daraus wurde in den 1920er Jahren die 2302 und ein halbes Jahrhundertspäter die 22302. Mit nur einer Leitung war kein Staat mehr zu machen, daher wurde die nur leicht abgewandelte 22402 hinzugenommen.

Interessant auch die in einer Werbeanzeige von 1891 auftauchende prägnante Telegrammadresse - gewissermaßen eine vorzeitliche E-Mail-Anschrift: „W[it]we Herbst, Detmold". Jeder wusste, wer gemeint war!

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Quellen
Familienarchiv Herbst-Brasse, Detmold.
Adressbücher für Lippe und Detmold. Brockhaus (1908). Burkhard Meier, Kirchen - Klöster-Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe, Leopoldshöhe/Bielefeld 1996. Fritz Verdenhalven (Bearb.), Bürgerbuch der Stadt Detmold (= Lipp. Geschichtsquellen, Bd. 7), Detmold 1977.


Danksagung
Der Verfasser ist Frau Ilse Brasse, geb. Herbst, für Gewährung der Einsichtnahme in das Familienarchiv wie auch für diverse informative Gespräche zu Dank verpflichtet.

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